Emmerich in Übersee - Emmericher unterwegs mit dem Travel-Chaos an Bord

Auszüge aus dem Buch

Der Zufall, oder wer auch immer, spielte uns einen Katalog für Kreuzfahrten mit der MS ASTOR zu. Travel Chaos erwachte zum Leben und hockte sich freudig erregt auf unsere Schulter. Sie würden doch wohl nicht? Oder doch? -  Ungeahnte Möglichkeiten!

Wir blätterten und blätterten. Palmen, Meer, sonnengebräunte Haut unter teuren Pullis, ein weißes Traumschiff, fremde Ufer. Aber, - ganz schön teuer. Nach etwa zehn Minuten entfernte sich mein Finanzminister vorsichtig mit leise schleichenden Rückwärtsschritten von der finanziellen Reisegefahr, die dem bunten Katalog deutlich und irgendwie lautstark plätschernd  entströmte.

Ich nicht. Ich blieb. Ich blätterte weiter.

Ich entdeckte eine Reise auf der anderen Seite der Welt mit Karibik, Panamakanal, Südsee und – Rosemarie Fendel, Suzanne von Borsody, Hardy Krüger, Dr. Klaus Bednarz und und und…

„He, guck mal“, lachte ich Richtung unsichtbarem Gatten in den Tiefen der Couch, „ich habe die Reise gefunden. Super toll, guck mal! Nu komm doch mal her! - Mit Rosemarie Fendel an Bord! – Gut fünf Wochen lang!“ – Ich unterbrach mein Lachen und schluckte: „Ist natürlich Quatsch. Viel zu teuer.“

Mein lieber Mann kam vorsichtig näher und schaute mir über die Schulter, immer mit einem Bein bereit zum Rückzug. Ich wusste genau, diese Reise ist ein Traum. Unwirklich. Zu lang. Zu teuer. Zum Träumen halt. In Gedanken hatte ich sie schon abgehakt.

Aber mein Mann war noch immer da, zog sich einen Stuhl heran  und studierte  die Reisebeschreibung. Ganz genau. Im Einzelnen. Und als er dann sagte, ganz cool: „Warum eigentlich nicht?“, fiel ich fast vom Stuhl......

 

 

 

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 .....Doch dann kam die schmale Gasse mit dem Kassenhäuschen. Als der junge Mann darin die Eintrittspreise für Erwachsene nannte, fiel uns die Kinnlade doch etwas nach unten. Nur, um in das zurzeit bewohnte, alte Gemäuer hinein zu kommen, vielleicht in etwa drei bis vier Räume, die freigegeben waren...? Nee, das war entschieden zu teuer. Denn: erstens wurde am Schloss noch immer renoviert und gewerkelt und zweitens: The Countess war zuhause und kochte vielleicht gerade das Dinner oder wickelte das Baby oder fütterte den Senior - und dabei möchte man nicht gerade vom Plebs beobachtet werden. Das wäre eine Erklärung dafür, dass wir ein junges Pärchen gesehen hatten, das ratz-fatz rein und wieder raus war. Maximal nach einer Viertelstunde.

Ich musterte den jungen Mann im Kassenhäuschen mit strenger Nannymiene, die sonst meinen Enkeln in bestimmten Situationen vorbehalten ist und sagte: "Good afternoon, Sir. Two adults, one child. Please." (Zwei Erwachsene, ein Kind).

Er schaute von meinem Mann zu mir, stutzte, beugte sich vor aus seinem Kabuff und suchte nach unserem Kind.

??????

Ich schob ihm Bille sanft vor die Brille und sagte: "Das ist unser Kind."

Verstand er irgendwie nicht.

Nach zwei weiteren Anläufen wollte er immer noch nicht verstehen. "Three adults." Drei Erwachsene.

"No, two adults, one child." Ich werd doch mein Kind nicht verleugnen, egal, wie alt es ist. Kind bleibt Kind.

Schließlich empfahl er uns kichernd, doch einfach mit unserem Kind die Gärten zu besichtigen für fast geschenkte gute elf Pfund pro Person, egal, wie groß oder wie alt. (Damals etwa 16,60 Euro)

"Na gut", ich gab nach, "dann eben dreimal Gärten für Erwachsene."

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...Martin war dafür, auf den Bus zu warten. Doch während wir noch überlegten, krachte plötzlich mit Höllengetöse hinter uns auf dem Platz eine Metalltonne um, und ein Mann fiel hinterher. Regungslos lag er da, mit dem Kopf auf der Fahrbahn. Entsetzt starrten wir hinüber, flogen herum zu den Taxileuten, aber kein Mensch reagierte.

Wir spurteten los, Martin sprach auf den Mann ein, hob seinen Kopf vorsichtig an. War der tot? Hilfe!

Niemand kümmerte sich. Ich schrie und winkte.

"Komm doch endlich mal einer!"

Widerstrebend lösten sich ein paar Männer von ihren Kühlerhauben, verabschiedeten ihre Gauloises und schlenderten in aller Gemütsruhe auf uns zu. Einer bückte sich, packte den  Bewusstlosen beim Kragen, die anderen zogen an seinen Beinen, dann ließen sie ihn auf den Bürgersteig plumpsen wie einen alten Sack voller Knochen.

"Der ist nur besoffen."

Ach so, nur besoffen, und wir dachten schon...

Lieber Gott, bitte, lass diesen Tag endlich zu Ende gehen. Viel halten wir nicht mehr aus. Es reicht für heute...