Nerja in Andalusien an der Costa del Sol


Andalusien ist immer eine ausführliche Reise wert. Egal, ob am Atlantik mit den  weißen Dörfern, dem beeindruckenden Binnenland oder das Andalusien am Mittelmeer, an der Costa del Sol.

Wir besuchten dieses Mal Nerja, einen relativ kleinen, noch sehr urigen Ort etwa fünfzig Kilometer östlich von Malaga. 

Es ist nur ein ziemlich schmaler Streifen Land zwischen dem Gebirge und dem Mittelmeer, der von Malaga nach Nerja führt.  Die Sierra Almijara ragt mit ihren Felswänden wie eine hohe Rückenlehne dicht hinter dem Meer auf. Von der Straße aus entdeckt man dort ab und an verfallene Ruinen. Wenn die doch nur erzählen könnten! 

Nerja ist schön.

Nerja ist noch sehr ursprünglich. Natürlich kommen im Sommer auch die vielen, sonnenhungrigen Touris hierher. Aber trotzdem ist Nerja keine anonyme Touristenhochburg geworden. Hochhäuser verboten. Hotelbunker verboten. Zwar gibt es ein Hotel, das ein gutes Stück über die Normalbebauung hinausragt, aber es ist das Einzige. Und hübsch sieht es auch noch aus. Sehr gepflegt mit vielen leuchtenden Blumen.

Die Innenstadt ist noch sehr urig. Keine großen Ladenketten mit 08-15 Angeboten, es sind alles individuelle, kleine Läden. Enge, verschachtelte Sträßchen, die vielfach auf dem Europaplatz enden, dem Balcón de Europe. Von hier hat man einen wunderbaren Blick aufs Mittelmeer, die Bucht unten, einen der Badestrände...

Alles ist sauber, bunt und einfach einladend.

 

 

 

 

2017 hat sich der Frühling hier schwer getan. Es war lange stürmisch und für andalusische Verhältnisse zu kalt. Das Meer hat massenhaft Steine angeschwemmt. Daher ist es empfehlenswert, feste Badeschuhe einzupacken, keine Schlappen, sondern festsitzende Schuhe. Der Paradestrand vor der Stadt ist schon geräumt und bietet dunklen Sand, aber etliche der Naturstrände sind halt sehr steinig, am Strand und im Wasser. Dafür aber fast menschenleer. Mit großen Parkplätzen. Herrlich. Und wenn man dann genug Sonne und Meer getankt hat, geht

man zehn Schritte über das Sandsträßchen und läßt sich in einer der kleinen Strandkneipen  verwöhnen.

 

Was für mich noch unheimlich beeindruckend war, ist der Markt von Nerja. Riesengroß, weitläufig, mit allem, was das Herz begehrt. Ob das nun saftige Kirschen sind, Knoblauch, Modeschmuck, Klamotten, Terrakotta - ach, ich weiß nicht. Alles halt. Am liebsten hätte ich jeden Stand eigenhändig umgewühlt und alles Mögliche gekauft. Was natürlich im Flieger im Handgepäck nicht erlaubt war. 

 

Es gibt auch noch mehr zu sehen, das riesige Viadukt zum Beispiel und die Höhlen. Davon später mehr.

 

Herrlich war auch der Besuch an sich. Eine ehemalige Schulkameradin hat sich vor Jahren hier niedergelassen, nachdem sie die ganze Küste abgesucht und begutachtet hat. Ihr Haus ist in den Hang gebaut mit drei Terrassen und zwei Balkonen. Auf der untersten Terrasse wohnt Pepe, ihre Schildkröte. Pepe liebt knackigen Salat und - Erdbeeren. Also stehen auf seiner Terrasse nicht nur der Grill  für menschliche Bedürfnisse,  sondern auch zwei Blumenkästen mit Erdbeerpflanzen. Steine davor helfen der kleinen Schildkröte, bis hoch an die Früchte zu kommen.

Abends haben wir unter der Markise gesessen in der weichen, warmen Luft und Tapas gegessen mit Tomaten, die wir von einem Bauern am Straßenrand gekauft haben. Oder wir haben frischen Fisch gegrillt und Salat mit Oliven und anderen Leckereien gegessen. Dazu einen trocknen, kalten Weißwein. Das war ein Leben wie Gott in - nee, nicht Frankreich, sondern Andalusien.

die Höhlen von Nerja

Cueva de Nerja


Etwa fünf Kilometer von Nerja entfernt, nördlich von Maro, liegen die Tropfsteinhöhlen von Nerja.

 

Durch Zufall entdeckten Kinder 1959 beim Spielen die Höhlen. Riesige Höhlen, uralt, seit Millionen Jahren verborgen unter der Erde. Und plötzlich tauchten sie auf. Plötzlich  gab es  einen kleinen Zugang. Plötzlich gab die Erde eine fantastische, unterirdische, unwirkliche Welt frei. Die gesamten Höhlen müssen so etwa 4823 Meter lang sein, aber natürlich sind sie noch längst nicht vollständig erforscht. Und natürlich auch nicht frei gegeben. Höchstens ein Viertel der gesamten Unterwelt ist für die Öffentlichkeit zugänglich. 

Die Forscher vermuten anhand der Funde von Knochen, Steinwerkzeugen, Keramiken und Wandmalereien, dass die Höhlen schon vor 30.000 bis  1.800 Jahren vor Christus von Jägern bewohnt gewesen sind. Besiedlung aus der Altsteinzeit... und was auch immer die weiteren Forschungen nach und nach frei geben werden.

 

Heute ist der öffentliche Teil natürlich eine Touristenattraktion mit Führungen, Kiosk, Eintritt und öffentlichen Toiletten. Aber das ist ja auch verständlich. Wieviel Geld brauchen sie, um alles, was schon frei ist, zu erhalten und alles, was noch unentdeckt ist, zu erforschen? 

Wir haben die Führung nicht mitgemacht, sondern sind auf eigene Faust durch die unwirkliche Welt auf und ab gewandert. 

Stalaktiten und Stalagmiten  in solcher Höhe und Dichte, so fantastisch, riesig,  einzigartig, nicht ein Quadratmeter gleicht dem  anderen. Und es tropft immer noch. Ganz leicht, aber es geht weiter...

Fotografieren war eigentlich nicht erlaubt, aber mit dem Handy fotografierte jeder. Ich auch. Aber ein Handy ist nicht gemacht für solche Dimensionen. Die kann es nicht erfassen. Nicht mal annähernd.

 

Wer nach Nerja kommt oder in die Nähe, dieses Naturwunder sollte man sich nicht entgehen lassen!

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